Führung in der Synagoge in Ulm

25. Juni 2026

Lieber Elchinger,

am Sonntag, den 14. Juni, lud die SPD-Elchingen alle Mitbürger zu einer Führung in die Synagoge in Ulm ein.

Jedes Jahr, an der Museumsnacht in Ulm kam bei uns persönlich das Interesse auf, jetzt dieSynagoge endlich auch einmal zu besuchen, allerdings ist dies ja so kurzfristig überhaupt nicht möglich. Leider ist ein Schutzkonzept von Nöten, das eine vorherige Anmeldung erforderlich macht. Deshalb organisierten wir nun selbst einen Termin vor Ort. Das Interesse an der jüdischen Religion und der Synagoge waren groß, unter den 43 Teilnehmern war auch die Neu-Ulmer SPD mit einigen Personen vertreten. Alle Besucher mussten zuvor mit Namen angemeldet werden, da die Synagoge mittlerweile leider ein erhöhtes Schutzbedürfnis hat.

Der Rabbi Schneur Trebnik empfing uns im Gebetsraum. Hier haben wir vom Rabbi viele Informationen über das Judentum erhalten und konnten auch unzählige Fragen stellen. Interessant am Judentum war für mich, dass es im Gegensatz zu den meisten großen Religionen, nicht missionarisch tätig ist. Jude wird man, wenn die Mutter Jüdin ist. Sollte man sich entscheiden, Jude werden zu wollen, nimmt man einen langen, mehrjährigen Weg auf sich. Die jüdische Gemeinde vor Ort zählt heute ungefähr 500 Mitglieder. Direkt nach dem zweiten Weltkrieg war die jüdische Gemeinde nahezu ausgelöscht.

Jede jüdische Gemeinde verfügt über eine eigene Tora, dies ist die Heilige Schrift der Juden. Sie wird von Hand in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament geschrieben und von rechts nach links gelesen. Das Besondere ist, dass jede Tora eine exakte Kopie des Originals und damit seit über 3.000 Jahren unverändert ist.

Nicht jede Frage, die wir stellten wurde sofort beantwortet. Das war für uns ungewöhnlich, sind wir es doch gewohnt auf eine Frage direkt die Antwort zu erhalten. Die Tradition, auf eine Frage mit einer Gegenfrage zu antworten, ist jedoch tief im Judentum verwurzelt und eng mit der Art des Lernens und Diskutierens im Talmud verbunden. Schon Abraham, der Gründervater des Judentums, und Hiob sollen Gott schon in eine Diskussion verwickelt haben. Der Talmud selbst ist das jüdische religionsgesetz.

Etwas schmunzeln mussten wir bei der Antwort auf die Frage, warum nur die Männer eine Kippa tragen und die Frauen nicht. Wir erhielten die Antwort, dass Frauen enger mit Gott verbunden sind und das Beten nicht aus dem Blick verlieren. Die Männer müssen jedoch regelmäßig daran erinnert werden und bekommen daher eine Kippa auf den Kopf.

Herr Trebnik formulierte einen Gedanken zum Zusammenleben der Religionen, den wir hier erwähnen möchten: Es sollen nicht alle Menschen gleich leben: Vielfalt ist wichtig, Jeder soll nach seinen Vorstellungen leben- die Straße ist breit genug für uns Alle.

Wir freuen uns sehr, Herrn Trebnik kennengelernt und die Synagoge von Innen gesehen zu haben. Für alle Interessierte: bei der Kulturnacht in Ulm werden, wie erwähnt, immer wieder Führungen angeboten. Aber auch hier ist eine vorherige Anmeldung, eine Woche im Vorfeld, notwendig. Darüber hinaus gibt es viele weitere Führungen. Im Jahr 2025 hat die Synagoge 15.000 Besucher empfangen.

Uns, der SPD in Elchingen, war es ein besonderes Anliegen, die Synagoge in Ulm zu besuchen. Wir sehen die Stärke unserer Demokratie und unserer Rechtsstaatlichkeit darin, allen Menschen ein freies und sicheres Leben zu ermöglichen. Leider werden diese zivilisatorischen Errungenschaften immer wieder von einzelnen Personen oder Gruppierungen in Frage gestellt. In diesem Punkt ist die SPD klar, wie sie es auch schon vor beinahe 100 Jahren war.

Beste Grüße,
Oliver Ströbele

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